Adrien Tirtiaux

Foto: Foto: Tino Kukulies

Adrien Tirtiaux


Higher and Higher, 2022
Holz, Leiter, Schrauben, toter Baum / Wood, ladder, screws, dead tree
ca. 10 x 3,2 x 2,5 m

 

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Der Künstler Adrien Tirtiaux (*1980, Brüssel, lebt in Antwerpen), der auch als Architekt ausgebildet wurde, setzt in seinem Werk radikale Interventionen im Innen- und Außenraum um, die die Wahrnehmungsgewohnheiten der Besuchenden herausfordern. Im Lantz`schen Park schafft Tirtiaux eine hölzerne Struktur, die sich turmartig in die Höhe schraubt. In der Mitte der Struktur befindet sich ein Baum, der – wie zahlreiche andere Bäume im Park – durch den Schädlingsbefall eingegangen ist. In den letzten Jahren wurden durch die örtlichen Behörden im Lantz’schen Park 4.500 neue Bäume gepflanzt. Die abgestorbenen Bäume wurden nur so weit wie nötig zurückgeschnitten und dienen nun als Lebensraum für Insekten. Tirtiaux nimmt diese Situation als Ausgangspunkt für seine Arbeit. Wie die sogenannten „Garden Follies“ – ausgefallene Gartenarchitekturen, die in der englischen Landschaftsgestaltung des 18. Jahrhunderts weit verbreitet waren –, eröffnet auch diese Konstruktion denjenigen neue Perspektiven, die sie erklimmen. Während die Konstruktion am Boden als robuste Struktur beginnt, wird sie mit zunehmender Höhe immer schmaler und endet in einer Leiter, die in den Himmel zu führen scheint.

Diese in die Höhe strebende Arbeit erinnert aber auch an den Tatlin-Turm, ein 400 Meter hohes Bauprojekt aus Stahl, Eisen und Glas, das als Denkmal der Dritten Internationale – dem internationalen Zusammenschluss aller kommunistischer Parteien – dienen sollte. Das Modell des Künstlers Wladimir Tatlin wurde in den 1920er Jahren wiederholt öffentlichkeitswirksam präsentiert, während das geplante Bauprojekt hingegen nie realisiert wurde. Wie bei dem Entwurf des sowjetischen Künstlers vor rund hundert Jahren, handelt es sich auch bei der hölzernen Fassung von Adrien Tirtiaux eher um ein symbolisches Bild, als um eine tatsächliche Architektur. Während bei Tatlin jedoch der optimistische, utopische Geist der Revolution noch ungebrochen schien, spielt Tirtiaux mit „Higher and Higher“ eher kritisch auf den ungebremsten menschlichen Ehrgeiz an.

 

 

 

 

The artist Adrien Tirtiaux (born in Brussels in 1980, lives in Antwerp), who also trained as an architect, performs radical interventions in indoor and outdoor spaces that challenge visitors’ perceptual habits. In Lantz Park, Tirtiaux has created a wooden structure spiraling upward like a tower. In the middle of the structure is a tree that, like many others in the park, has died due to pest infestation. In recent years, 4,500 new trees have been planted in Lantz Park by local agencies. The dead trees have only been pruned as much as necessary and now serve as habitats for insects. Tirtiaux took this situation as the starting point for his work. Like “garden follies” – decorative buildings that were widespread in 18th-century British landscape design – this structure rewards those who climb it with new views. Beginning at ground level as a robust structure, it becomes narrower as it rises, and ends with a ladder that seems to lead up to the sky.

 

This towering work is also reminiscent of Tatlin’s Tower, a proposal for a 400-meter-tall structure to be built from steel, iron, and glass, and intended to serve as a monument to the Comintern – an organization representing all the world’s communist parties. Although never realized, the model by Soviet artist Vladimir Tatlin was frequently displayed in public in the 1920s. Like his design produced a century ago, Adrien Tirtiaux’s wooden version is more of an allegory than a piece of architecture. But whereas the optimistic, utopian spirit of the Russian Revolution still emanated from Tatlin’s work, Tirtiaux’s “Higher and Higher” appears to critically allude to unbridled human ambition.

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