Ort für die Erinnerung und Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt


Erez Israeli, Tel Aviv/Berlin  

Auszug aus dem Text der Verfasser*innen:

Die Skulptur ist weithin sichtbar. Sie erhebt sich knapp sieben Meter in die Höhe, lockt Blicke und Menschen an. Sie definiert den Ort, der hier zur Erinnerung und Akzeptanz sexueller Vielfalt geschaffen werden soll, und weitet ihn gleichzeitig in die Stadt, das Umfeld, die Gesellschaft aus. Es gibt keine Begrenzung oder Einfriedung, die Stahlskulptur befindet sich direkt auf einer begehbaren Wiese, in unmittelbarer Nähe der Rheinpromenade, zugänglich für jede und jeden, von allen Seiten offen, von überall sichtbar, stets verbunden mit dem Stadtbild, das sich dahinter auftut.
Nähert man sich der Skulptur, sieht man an beiden Ankern kleine, archaische Sprachrohre. Flüstert man in eines hinein, kommen die Worte beim anderen Anker an. Über ein Rohr im Untergrund übertragen sich die leisteten Töne. Auf diese Weise kann man von Anker zu Anker sprechen, kommunizieren, lachen, sich austauschen, ohne dass die Umstehenden es hören.
Inspiriert und geleitet ist die Skulptur von drei Grundgedanken:

1. Sie soll einen starken, unmittelbaren Bezug zu Düsseldorf haben. Sie soll nur hier und nur in dieser Stadt stehen können und sie symbolisieren.
2. Sie soll die Universalität der Liebe ausdrücken, ihre immerwährende Gültigkeit, egal woher sie kommt, worauf sie gründet, wen sie verbindet, wen sie vereint.
3. Sie soll Optimismus ausstrahlen, die Lebensfreude und Kraft der Queerness, ohne dabei das Leid, die Unterdrückung und die Verfolgung von Menschen aus der LGBT Community zu vergessen oder auszublenden.

Die Universalität der Liebe wird durch die Herzform symbolisiert, die in der Kunst- und Kulturgeschichte vor allem von queeren Künstlern immer wieder verwendet wurde, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass Liebe allen gehört, niemanden ausschließt und in jeder Lebensform erlaubt sein muss. Von der geheimen Symbolik in der Renaissance über die Codierung in der Moderne bis zum explizit queeren Zeichen in der Popart findet sich das Herz im Kontext sexuellen, gleichgeschlechtlichen Befreiungsstrebens, bei Andy Warhol, Keith Haring, Tracy Emin oder Pierre et Gilles ganz bewusst auch als Überhöhung von Kitsch, der mit der queeren Kultur und dem queeren Selbstverständnis stets augenzwinkernd einhergeht. Für lesbische Liebe sind zwei Herzen mit Kreuzen darunter sogar zum weitverbreiteten, allgemeingültigen Erkennungszeichen geworden.

Erinnert die Form an Körper, die sich verschlingen und vereinigen? An Figuren, die tanzen und feiern? An eine Acht, die Unendlichkeit symbolisiert? Oder an Verwicklungen, die nichts Gutes verheißen? Stehen die Stahlketten dafür, dass sich Liebende aneinander ketten, oder dafür, dass sie magische Kräfte entfalten, die Schwerkraft überwinden und mit Leichtigkeit jede Höhe erklimmen? Drücken die Anker aus, dass Liebe erdet und Halt gibt, oder durch ihre Doppelung, dass hier Gleiches zu Gleichem findet und finden darf? Spielen die Flüstertüten auf den Zwang zur Geheimhaltung von etwas lange Verbotenem an, oder auf die Notwendigkeit, jedem aufmerksam zuzuhören, auch wenn er einem noch so fremd erscheinen mag?
Egal was man in die Skulptur interpretiert: Sie steht allen Menschen, allen Lebensformen, allen sexuellen und geschlechtlichen Orientierungen offen.

Jeder kann und soll sich darin wiederfinden. In seiner Betrachtung, in seinen Assoziationen, in seiner Einstellung – solange er tolerant, frei und offen ist.

 



 



Begründung der Jury aus der Sitzung vom 10. September 2019

Zwei überdimensionierte Anker sind über eine hoch aufragende Stahlkette miteinander verbunden, die mittig eine Form beschreibt, ähnlich einem Herzen oder einer Acht. Der Entwurf ist geprägt von offensichtlichen Symbolen und deren plakativer, fast spielerischer Umsetzung. Die Betonung des Kitsches, die Übertreibung wurde positiv bewertet. Auch der positive, in die Zukunft gerichtete Ansatz des Entwurfs wird gelobt. Kritisch wird die Verwendung des Symbols des Ankers als typisch für Düsseldorf; der Anker ist Element vieler Stadtwappen. Der Entwurf wird der Komplexität der Wettbewerbsaufgabe aus Sicht vieler Mitglieder der Kommission nicht umfassend gerecht.