Offener Brief an den Oberbürgermeister

Die Künstler*innen in der Kunstkommission engagieren sich für eine sachliche und fachlich qualifizierte Diskussionskultur über die künstlerische Qualität von Kunst im öffentlichen Raum und darüberhinaus. Sie fordern Oberbürgermeister Thomas Geisel in einem offenen Brief auf, sich in Zukunft sachlich an solchen Diskussionnen zu beteiligen.


Der Brief/Download

Der Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Geisel,

im Mai 2017 wurde nach langen Beratungen und öffentlicher Diskussion in Düsseldorf die Kommission für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum beschlossen und im Dezember 2017 vom Stadtrat eingesetzt, mit dem Ziel, faire und transparente Wettbewerbsverfahren im Bereich der Kunst am Bau und im öffentlichen Raum in Düsseldorf in Zukunft sicherzustellen und dafür Sorge zu tragen, dass bei Angeboten von Schenkungen für den öffentlichen Raum der Stadt, die künstlerische Qualität der Werke ausschlaggebend für ihre Annahme ist.

Im September 2019 wurde der Kommission das Angebot einer Schenkung, der Entwurf eines Einheitsmerkmals von Herrn Schönauer, Herrn Richter und Herrn Janzen zur Beurteilung vorgestellt. Eine Arbeit, die versucht die Deutsche Wiedervereinigung vor knapp 30 Jahren zu thematisieren. Auf ausdrücklichen Wunsch von Herrn Schönauer und seinen Partnern geschah dies im nicht-öffentlichen Rahmen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Uns Mitgliedern wurde von der Verwaltung dazu ein Konzeptpapier der Künstler zur Verfügung gestellt, in dem Herr Oberbürgermeister Geisel (und Herr Bundepräsident Steinmeier) als Schirmherren für die Arbeit genannt werden. Unter anderem interpretieren die Künstler in dem Text ihre Arbeit als „Oberbürgermeistermarke, Stadtmarke, [und für] Bundesland und Republik wertvoll.“ Weiter heißt es zum Beispiel: „Die Geschichte als Fundament, der Wertschöpfungsprozess als Dokumentationsfläche des europäischen Wertesystems und die anschließende kommunikative Aktivierung der Assets in die Zukunft, lassen sich in unterschiedliche Stakeholderschaften übersetzen und interpretieren.“

Unbeeindruckt von diesen Hinweisen haben die Mitglieder der Kommission intensiv über die künstlerische Ausführung und Formulierung der vorgestellten Arbeit und der Angemessenheit des Verfahrens einer Schenkung zum Thema Wiedervereinigung beraten, für die zuständigen Gremien eine einstimmige Empfehlung abgegeben und schriftlich begründet.

Kurz darauf unterstellen Sie uns Mitgliedern der Kunstkommission (im Bericht der Rheinischen Post vom 27. September 2019) wir würden als „Geschmacks-Polizei“ agieren und künstlerische Freiheit begrenzen, statt sie zu ermöglichen. Sie werfen uns in dem Bericht weiter vor, wir hätten beschlossen die Interpretation der angesehenen Künstler Schönauer und Janzen falsch zu finden.

Sie haben sich zu einem Zeitpunkt über ein Kunstwerk und die Beurteilung des Kunstwerks durch die Kunstkommission öffentlich geäußert, zu dem das Kunstwerk auf Wunsch der Künstler der Öffentlichkeit noch nicht bekannt war. Wir Mitglieder der Kommission haben den Wunsch der Kollegen respektiert und deshalb damals nicht auf Ihre Äußerungen reagiert.

Inzwischen ist die Arbeit bekannt und die Annahme wurde vom Rat der Stadt mehrheitlich beschlossen. Diese Entscheidung respektieren wir selbstverständlich. Wir finden es allerdings irritierend, dass sich, insbesondere keiner der Befürworter einer Annahme des Kunstwerks, mit unserer Stellungnahme in den zuständigen Gremien inhaltlich und fachlich auseinandergesetzt hat.

Was wir uns aber in jedem Fall verbitten ist Ihr herablassender und diskreditierender Umgang mit der Arbeit der Kunstkommission und der Expertise ihrer Mitglieder.

Ob beim Schulbau, einem „Moby-Dick-Denkmal“, dem Kriegerdenkmal am Reeser-Platz, einem Ort für die Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt oder der künstlerischen Wiederbelebung des Lantzschen-Parks: Seit unserem Bestehen beschäftigen wir uns wertschätzend, partnerschaftlich und unvoreingenommen mit Ideen, Wünschen und Anliegen der Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürgern, der Verwaltung und der politischen Gremien. In der Kommission engagieren sich Künstlerinnen und Künstler, Kunstwissenschaftlerinnen und Kunstwissenschaftler, Stadtplanerinnen und Stadtplaner und Politikerinnen und Politiker aus unterschiedlichen Generationen mit sehr unterschiedlichen fachlichen Positionen und Ansichten.

Die Kommission ermöglicht durch ihre Arbeit die Neuanschaffung von zeitgenössischer Kunst am Bau und für den öffentlichen Raum. Unsere Aufgabe ist es dabei eine hohe künstlerische Qualität sicher zu stellen. Künstlerische Freiheit kann in diesem Zusammenhang nicht bedeuten, dass jeder mit ausreichendem Kapital und den nötigen Beziehungen alles im öffentlichen Raum oder gar in den Museen der Stadt aufstellen oder ausstellen darf.

Von Ihrer Seite gab es für eine Annahme der Arbeit keine sachliche oder fachliche Begründung. Sie haben bisher auch keine sachlichen Gegenargumente zur schriftlichen Stellungnahme der Kommission aufgeführt.

Wir fordern Sie auf, Ihre herablassenden Aussagen aus der Rheinischen Post vom 27. September 2019 zurück zu nehmen und sich einer sachlichen Diskussion zu stellen. Dazu stehen wir Ihnen jederzeit, auch in der Frage des „Einheitsmerkmals“ gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Jörg-Thomas Alvermann
Johannes Bendzulla
Björn Leo Bock
Angela Fette
Sebastian Freytag
Oliver Gather
Clemens Botho Goldbach
Via Lewandowsky
Stephan Machac
Robin Merkisch
Anna Mirbach
Katharina Monka
Katharina Sieverding
Stefan Sous
Thomas Stricker
Noemi Weber
Christoph Westermeier

Kontakt

Landeshauptstadt Düsseldorf
Kulturdezernat
Geschäftsstelle der Kommission für
Kunst am Bau und im öffentlichen Raum
Zollhof 13
40221 Düsseldorf
Tel. + 49 (0) 211 8 92 41 61

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