Schenkung abgelehnt!

7. Dezember 2019

„Einheitsmerkmal“ – Kunstkommission empfiehlt Ablehnung

In ihrer Sitzung am 18. September 2019 haben die Mitglieder der Kunstkommission einstimmig, bei zwei Enthaltungen empfohlen die Schenkung „Das Einheitsmerkmal von Ralph Richter und Thomas Schönauer nicht anzunehmen. Hier das Konzept der Künstler und die Begründung der Kunstkommission.

Die Mitglieder der Kommission empfehlen dem Kulturausschuss und dem Rat der Landeshauptstadt einstimmig, bei 2 Enthaltungen, die vorgeschlagene Arbeit nicht anzunehmen und nicht im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt aufzustellen.

Die Mitglieder der Kunstkommission haben in ihrer Sitzung am 18. September 2019 intensiv über das Angebot der Schenkung „Das Einheitsmerkmal“ von Thomas Schönauer und Ralph Richter beraten. Am 17. September wurde allen Mitgliedern der Kommission das Konzeptpapier der Künstler von der Geschäftsstelle der Kommission zur Vorbereitung der Beratung zugesandt. Herr Schönauer, Herr Richter und Herr Janzen haben auf Einladung des Vorsitzenden der Kommission das Projekt in der Sitzung vom 18. September persönlich vorgestellt und Rückfragen der Mitglieder der Kommission ausführlich beantwortet.

Konzept Einheitsmerkmal

Die Mitglieder der Kommission bedanken sich herzlich für die Mühe bei Herrn Schönauer, Herrn Richter und Herrn Janzen. Die Mitglieder der Kommission loben ausdrücklich das großzügige Anliegen der Künstler.

Die Mitglieder der Kommission halten das vorgeschlagene Verfahren einer Schenkung eines Denkmals zum Thema deutsche Wiedervereinigung für verfehlt. Die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands vor 30 Jahren ging aus einer couragierten Bürgerbewegung in der DDR hervor und mündete in einen demokratischen Prozess. Ein offizielles Zeichen der Würdigung und Erinnerung dieses Vorgangs kann aus Sicht der Mitglieder der Kunstkommission nur durch ein demokratisches, transparentes Verfahren entstehen und dargestellt werden: ein breit angelegtes Beteiligungsverfahren, das in einen Kunst-Wettbewerb mündet. In einem solchen Verfahren müssten verschiedene Perspektiven, besonders auch eine ostdeutsche Perspektive auf die Wiedervereinigung zum tragen kommen. In einem solchen Prozess böte sich die Chance, die aktuellen Diskussionen über das Auseinanderdriften der Gesellschaft und über die im Politischen, im Wirtschaftlichen und im Kulturellen unvollendete Wiedervereinigung zu thematisieren.

Die angebotene Arbeit ist aus Sicht der Mitglieder der Kunstkommission auch inhaltlich problematisch. Mit ihrem monumentalen Pathos verleiht sie einem Geschichtsbild Ausdruck, dass eine zwangsläufige, lineare Entwicklung von der Teilung zur Einheit als einen bereits vollendeten, abgeschlossenen Prozess beschreibt: Gegenüber der gespaltenen Spitze ist die solide, quadratische Basis der Stele das Symbol dieser Einheit. Ein Zeitstrahl ist zur Zukunft hin offen. Das Denkmal erscheint daher rückwärtsgewandt und vermag Zukunft nicht als Möglichkeitsraum zu denken. Dieses Konzept von historischer und gesellschaftlicher Entwicklung als eines abschließbaren Prozesses, halten die Mitglieder der Kunstkommission nicht für hinreichend komplex, um das Thema der deutschen Wiedervereinigung künstlerisch zu reflektieren. Die Idee der Künstler, ähnliche Einheitsmerkmale „von oben herab“ in den anderen 15 Hauptstädten der deutschen Bundesländer aufzustellen ist ein falsches Zeichen im Umgang mit der historischen Wiedervereinigung und angesichts der zukünftigen Aufgaben für ein weiteres Zusammenwachsen der gesamtdeutschen Gesellschaft.

Sollte es der Wunsch der Düsseldorfer Stadtgesellschaft und der Politik sein sich mit dem Thema der Wiedervereinigung auch künstlerisch auseinander zusetzen, steht die Kunstkommission zur Verfügung um ein angemessenes Verfahren, gerne auch in Kooperation mit unserer Partnerstadt Chemnitz zu entwickeln.

Bericht in der RP vom 27. September 2019

Bericht in der RP vom 7. Dezember 2019

Kommentar in der RP vom 7. Dezember 2019

 

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